Zum Betteln sind Afghanen zu stolz
Kategorien: Menschen
Tags: Afghanistan, Arbeit, Armut, Bildung, Familie, Frauen, Kinder
Vielleicht ist es nicht die typisch afghanische Bauernfamilie, aber ganz bestimmt gibt es viele ähnliche Familien wie die von Bibi und ihrem Mann Mohammed, der mit seiner ersten Frau auf dem Markt Gemüse und Getreide verkauft, während sich Bibi zu Hause um die Kinder kümmern muss und nebenbei Pistazienkerne knackt. Das Sprichwort “Ohne Fleiß kein Preis” kennt man so ähnlich auch in Afghanistan und wenn nicht, müsste es hier erfunden werden. Mit fünf Kindern, alle von der zweiten Frau Bibi, wohnt die Familie in einem Haus aus Lehm und Holz, um das eine brüchige Lehmmauer errichtet ist. Ein Ziehbrunnen gehört auch dazu.
Bibi ist 34, ihr Mann Mohammed ist über sechzig. Seine erste Frau, mit der er keine Kinder haben konnte, ist etwa fünfzig. Viele Afghanen wissen nicht genau, wie alt sie sind. Bibi wurde Mohammed schon als Kind versprochen und sie war bei der Zwangsheirat, gegen die sie sich heftig, aber vergeblich gesträubt hatte, nur 14 Jahre alt. Ihre fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Jungen, kamen in den folgenden fünf Jahren auf die Welt. Sie gehen alle noch in die Schule, was seit dem Ende der Talibanherrschaft auch für die drei Mädchen möglich ist. Der Vater erwartet von den Kindern, dass auch sie Geld verdienen, weil die umgerechnet etwa vierzig Euro im Monat, die er auf dem Markt einnimmt, nur für ein Hungerdasein ausreichen würden. Seine erste Frau, die der Tradition folgend auch nach der Heirat mit Bibi bei Mohammed blieb, hilft auf dem Acker. Bibi soll zum Haushalt beisteuern und darf wie die Kinder auf keinen Fall betteln gehen.

Eine Frau, die keinen Beruf erlernt hat und keine Schule besuchen konnte, tut sich überall in Afghanistan schwer, wenn sie auch nur ein paar Cent verdienen will. Bibi hatte die Idee, sich mit den Kindern nach der Schule in der nahen Stadt an den Straßenrand zu setzen und Pistazienkerne zu verkaufen. Pistazien sind äußerst beliebt in Afghanistan, sie werden in unterschiedlichen Süßigkeiten verarbeitet oder so geknabbert. Bis zu dreißig Kilo Pistazien täglich knacken Bibi und die Kinder mit Steinen oder einem kleinen Hammer.
Ich habe Bibi in einer Schule für Frauen kennengelernt. Die Schule befindet sich in einem Privathaus, wo sich die Frauen zunächst nur zu einem Nähkurs trafen, dann aber auch begannen, lesen und schreiben zu lernen. Bibi fiel mir auf, weil sie der Lehrerin die meisten Fragen stellte und die Antworten immer sofort in ein Heft eintrug. Ich durfte sie nach Hause begleiten, um ihren Alltag mit der Kamera festzuhalten, was keinesfalls selbstverständlich war.
Bibi erzählt mir die Geschichte ihres mühevollen Lebens, oft von Tränen unterbrochen: “Ich bin ein ganz anderer Mensch, seit ich schreiben und lesen kann. Das kann ja nicht einmal Mohammed, mein Ehemann. Ich finde es wunderbar, dass jetzt auch meine Töchter zur Schule gehen. Die Mädchenschulen wurden von euch Deutschen eingerichtet.”
Ihrem Ehemann erzählte Bibi zunächst nichts von ihren Schulbesuchen. Er war froh, wenn er von ihr den üblichen Geldbetrag bekam und kümmerte sich nicht darum, wie sie ihre Zeit verbrachte. Alles, was sie zusätzlich verdienen konnte, legte sie zur Seite und kaufte davon Schulmaterial für die Kinder. Ich fragte sie, wie sie das alles bewältigt und ob die Zeit, die sie in der Schule verbringt, keinen Verdienstausfall für sie bedeutet? “Nein, das nicht”, sagt sie, “ich habe dann eben nachts, wenn Mohammed schlief, beim Licht der Petroleumlampe Pistazien geknackt.”
Dieser Artikel entstammt dem Buch “Afghanistan – Rosen, Mohn, 30 Jahre Krieg” von Fotojournalistin Ursula Meissner. Sie können dieses Buch bei ADRA bequem online bestellen und unterstützen damit die Herstellung und Verteilung einer Decke in Afghanistan.






Afghane mit Kindern in Schubhaft
Heute früh hatte ich in den Nachrichten gehört das ein Afghane mit seinen Kindern in Schubhaft sitzt. Er sollte mit seinen Kindern (4,7 u 11). nach Griechenland abgeschoben werden wo sie den Erstantrag stellten. Das grichische Asylsystem ist zusammengebrochen. Seine Frau ist in psychiatrischer Behandlung und kann in Österreich bleiben. Aber der Vater mit den Kindern sollte nach den Ostern abgeschoben werden. Bitte setzt euch alle ein um dies zu verhindern. Die Amnesty International kritisiert solche Menschenrechtsverletzungen von den ÖSTERREICHISCHEN Behörden. Es wurde versprochen solche Praktiken abzuschaffen. Kinder gehören NICHT ins Gefängnis.
Ich bedauere es das wir ein solches Regime haben.
Ich war ganz schockiert von dieser Nachricht. Ich glaubte einen Alptraum zu haben
Rassismus wird in Österreich immer schlimmer. Vor Jahren gab es eine Demonstration in Klagenfurt. Es gehören weitere Demonstrationen veranstaltet.