Warum der Fußball in Afghanistan Berge versetzen kann
Kategorien: Hilfsprojekte
Tags: Afghanistan, Arbeit, Frauen, Fußball, Hilfsprojekte, Krieg, Sport, Taliban, Terror, Wiederaufbau
“Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz”, singen die Fans deutscher Fußballclubs oder der Nationalelf. Für die Anhänger bedeutet der Sport mehr als das bloße Spiel von 22 Menschen und einem Ball. Es ist eine Ablenkung vom Alltag, eine ganz andere Welt mit eigenen Regeln. Nur zu gern würden sich auch viele Afghanen wieder von den Emotionen eines Fußballspiels mitreißen lassen. Für sie ist es aber häufig ein Spiel mit der Angst.
Afghanistans populärste Sportart befindet sich auf dem Wege der Besserung
Als Vorsichtsmaßnahme werden fast alle Heimspiele der afghanischen Nationalmannschaft im Ausland ausgetragen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen, denn die Angst vor einer Granate im Publikum ist zu groß. Eine Ausnahme gab es 2003. Dort fand in Kabul das Rückspiel in der WM-Qualifikation gegen Turkmenistan statt. Dass das Spiel erwartungsgemäß verloren ging, war damals nicht so wichtig. Viel wichtiger war, dass der afghanische Fußball seitdem kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Nachdem das kommunistische Regime und die Taliban eine Entwicklung des Sports 18 Jahre lang verhinderten, konnte sich im Land endlich wieder ein Bewusstsein für den Fußball entwickeln.
Der erste Sieg einer afghanischen Nationalmannschaft gelang im Jahr 2003
“Schuld” daran war auch Deutschland. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden zahlreiche Förderprojekte ins Leben gerufen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beteiligten sich unter anderem an einem sechsjährigen Projekt. Geleitet wurde dieses von den Deutschen Holger Obermann, Klaus Stärk und dem ehemaligen afghanischen Nationalspieler Ali Askar Laki, dem “Beckenbauer” Afghanistans.
Die Entwicklungshelfer haben unter schwierigen Umständen viel erreicht. Besonders im Frauenfußball in Afghanistan ist dies zu erkennen. Acht Mädchen spielten vor ihrem Einsatz Fußball, mittlerweile sind es 6 000. Sogar die deutsche Nationalspielerin Birgit Prinz kam für einen Lehrgang vorbei. Trotzdem sehen sie ihren Einsatz erst als einen Anfang. Ob die jahrelange Arbeit Früchte trägt, wird sich allerdings erst herausstellen, wenn der afghanische Fußball auf seinen eigenen Beinen stehen muss.
Förderprojekte helfen, aber den letzten Schritt muss das Land selbst gehen
Denn, und das bedauert Askar Laki, gerade die Regierung begreift die Kraft, die der Sport entwickeln kann, nicht. Die Bedeutung des Fußballs, durch den Lakis Jugendspieler neuen Lebensmut entwickeln in Zeiten von allgegenwärtiger Angst um das eigene Leben, muss sich erst noch einen Weg zurück in die Köpfe und besonders in die Herzen der afghanischen Bevölkerung bahnen.






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