Soap-Opera im Fernsehen spaltet ganz Afghanistan
Kategorien: Kuriositäten
Tags: Afghanistan, Fernsehen, Frauen, Freitag, Glaube, Menschen, Moral, Moschee, Mullah, Religion, Technologie
In Deutschland sind Seifenopern kaum noch aus der Fernsehlandschaft wegzudenken. Serien wie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, “Unter uns”, und wie sie auch alle heißen, locken die Massen täglich vor die Flimmerkiste. Doch eine Seifenoper, die in Afghanistan jeden Freitag ausgestrahlt wird, toppt den Erfolg der hiesigen, durchgestylten Produktionen um Längen – und zieht damit den Unmut der Mullahs auf sich.
Der Freitag ist in Afghanistan ein wichtiger islamischer Tag
Der Freitag ist in Afghanistan nicht einfach nur ein Tag, der das Wochenende einläutet. Bei den Mullahs, den islamischen Geistlichen, ist dieser Tag heilig; in Gottesdiensten treffen sich die Menschen zum Gebet – oder besser gesagt, sie trafen sich. Schuld daran ist eine Soap-Opera, die den ungewöhnlichen Namen “Die Schwiegermutter war auch einmal eine Schwiegertochter” trägt. Bis zu 90 Prozent der Menschen in den Städten Afghanistans versammeln sich vor den Fernsehern; die Gottesdienste bleiben immer häufiger leer.

Nachdem bereits einige Gottesdienste verschoben werden mussten, liefen die Geistlichen in Afghanistan jüngst gegen die Fernsehserie Sturm, die von den Fernsehsendern Tolo und Afghan TV ausgestrahlt wird. Seiher ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Fernsehstationen.
Kultur und Freiheit in Afghanistan
In Wahrheit geht das Problem natürlich tiefer – die Freiheiten, die sich die Menschen in Afghanistan, aber auch das Fernsehen und der Journalismus herausnehmen, rütteln an den Grundfesten von Moral und Anstand. Internationale Beziehungen zu Nachbarländern, vorsichtige Anflüge von Sexualität faszinieren, ja befreien die Menschen. Das wird vor allem von den religiösen Führern des Landes nicht gern gesehen.
Tatsächlich scheint sich eine Öffnung hin zum Westen nicht aufhalten zu lassen. So strahlt der Fernsehsender Togo mittlerweile die weltweit erfolgreiche Serie “twenty four” aus, in der Hauptrolle Hollywood-Star Kiefer Sutherland. Zur großen Herausforderung der Menschen in Afghanistan zählt offensichtlich der Spagat, sich zwischen Moderne, dem Neuen und der eigenen Tradition zu positionieren.





