“Servus Kabul”, oder: Wenn Bayern in Afghanistan läge

Artikel geschrieben von Thomas Kilian am 22. Mai 2009
Kategorien: Kultur
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“Servus Kabul” lautet der Titel eines Theaterstücks, in dem ein Bayern nach Afghanistan auswandert, um dort ein Wirtshaus zu eröffnen. Das Unternehmen gelingt nicht nur beruflich, auch privat kann er sich einen lang gehegten Traum erfüllen.

Der Wunsch des Bayern in Afghanistan, sich der Vielweiberei hinzugeben, geht endlich in Erfüllung. Sie merken sicherlich schon, dass die Rahmenhandlung unbedingt mit Humor genommen werden muss – politisch korrekt ist dieses Volkstheaterstück mit Sicherheit nicht. Natürlich geht es um Klischees, die aus beiden Welten stammen und freilich aufs Korn genommen und auf die Spitze getrieben werden.

Hier wird fröhlich kombiniert, was man eigentlich nicht kombinieren darf. So wird das bayerische Dirndl mal eben durch ein Kopftuch komplettiert. Interkulturell mal anders – das passt zu der gesamten Familie, die sich auf sonderbaren und überraschenden Pfaden zischen den Kulturen Deutschlands und in Afghanistan bewegt. Nur die Mutter hat nicht so recht Lust dazu, sich diesem Treiben der restlichen Familie hinzugeben.

Kasperle-Theater: Bayern meets Afghanistan

Interessant dürfte auch das Kasperle-Theater sein, das Franz Xaver Kroetz nach dem Vorbild von Graser inszeniert hat – vor allem deshalb, weil sich durch Puppen so manches noch derber in Szene zu setzen. In dieser anonymen, ent-personifizierten Form können die Gegensätze zwischen Afghanistan  und Deutschland in einer kruden Satire  gipfeln, um letztlich doch die Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.

Servus Kabul, das 2008 in Ulm aufgeführt wurde, hätte sicherlich auch 2009 wider eine Chance, nicht nur das bayerische Publikum zu begeistern. Auch die Menschen aus  Afghanistan und aus Rest-Deutschland hätten sicherlich ihre Freude daran – sofern sie die Sprache dieser andersartigen, fremden Bayern überhaupt verstehen…



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