Sägen Sie bitte nicht an Granaten!
Kategorien: Hilfsprojekte
Tags: ADRA, Explosion, Gefahr, Granate, Hilfsorganisation, Hilfsprojekte, Menschen, Minen, Munition, Terror
Wie bitte? Na hören sie mal, das weiß doch jedes Kind! Was soll denn das? “Es ist doch logisch”, werden die meisten sagen, “dass man einen Sprengkörper nicht aufsägt!” Dieser Aufruf “Sägen Sie bitte nicht an Granaten!” hat aber einen traurigen und nachdenklichen Hintergrund.
In Kabul war ich für die Sicherheit unserer Mitarbeiter zuständig. Sicherheit ist das wichtigste Thema. Die Gesundheit und das Leben jedes einzelnen Mitarbeiters ist das höchste Gut, das es zu bewahren gilt. Deshalb bedarf es ständiger Kontrolle, Schulung und Motivation (das Bewusstsein für Gefahren geht manchmal verloren), um den Sicherheitsstandard hochzuhalten. Die meisten verbinden die Gefahren meist mit Anschlägen und Entführungen, aber in einem Land wie Afghanistan kann ein Verkehrsunfall, eine Erkrankung, unvorsichtiges Herumgehen auf einem Grundstück oder Gelände (Minen!) sehr schnell lebensgefährlich werden. Und gute medizinische Versorgung ist manchmal erst nach Tagen zu bekommen, wenn man sich in den Bergen befindet und weit und breit keine vernünftige Straße in eine der großen Städte vorhanden ist.
Die meisten ausländischen Hilfsorganisationen in Afghanistan haben einen Mitarbeiter, der – wie ich – für das Thema Sicherheit zuständig ist. Einmal in der Woche gab es Treffen der Organisation ANSO, einem von der Europäischen Union unterstützten Projekt, bei dem sich diese Mitarbeiter der Hilfsorganisationen trafen. ANSO-Mitarbeiter hatten einen polizeilichen oder militärischen Hintergrund und versorgten die Hilfsorganistionen wöchentlich mit Informationen über die Lage in den verschiedenen Provinzen. Sie gaben Tipps und sprachen auch mal Empfehlungen aus, eine Gegend zu meiden, wenn es aus sicherheitsrelevanten Gründen angesagt war.
Fast jeden Tag erhielt auch ich eine Email von ANSO, in der zusätzliche Informationen mitgeteilt wurden. Eines Tages erhielt ich die Meldung, dass das Haus einer Familie im Norden Kabuls in die Luft geflogen sei. Natürlich fragt man sich sofort, was der Grund dafür sei: Waren es die Taliban? Ein Racheakt? Ein krimineller Hintergrund?
Am nächsten Tag erhielt ich die traurige “Auflösung” des Rätsels. Ein Familienvater hatte eine Granate gefunden und mit nach Hause genommen. Die Granate war nicht explodiert und so dachte er sich, dass er den Sprengstoff innerhalb der Metallhülle gut gebrauchen könnte. Und er fing an, die Granate aufzusägen. Die Granate explodierte sofort.
Die ganz Familie war auf der Stelle tot, das Haus zerstört. Man mag sich wundern. Wer aber – wie viele arme Familienväter in Afghanistan – nicht weiß, wie man seine Familie über den Tag bringt und wie man seine Kinder versorgen soll, der wird erfinderisch und versucht alles zu vermarkten. Selbst den Inhalt einer Granate.
Leider ist das Sicherheitsempfinden, das Bewusstsein und die Kenntnis von Gefahren durch 30 Jahre Krieg bei einigen Menschen verloren gegangen. Manche begeben sich aber auch bewusst in Gefahren. Wenn man nachfragt, warum sie dies tun, so hört man die traurige Antwort: “Was soll ich tun, ich habe keine andere Chance, meinen Lebensunterhalt zu verdienen!”
Deshalb ist es wichtig, dieses Land und seine Menschen zu unterstützen, damit auch sie in Sicherheit und Frieden leben können. Helfen auch Sie mit!






Dude, right on there brohter.