Mudschaheddin ist nun stolzer Hotelbesitzer

Artikel geschrieben von Erich Lischek am 13. April 2008
Kategorien: Menschen
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Zuhak Hotel in Bamiyan — Treffen mit Sultan Alie 

Wir kommen am Samstag, 29. März 2008 mit dem “Echo-Flug” von Kabul in Bamiyan an. Diese Stadt liegt ca. 150 Kilometer Luftlinie im Westen der Afghanischen Hauptstadt. Weil das Auto Probleme hat, werden wir zunächst zum Zuhak Hotel gebracht, um dort zu essen. Zuhak ist der Name eines Persischen Herrschers aus dem 6. Jahrhundert, um den sich verschiedene Mythen ranken.

Sultan Alie im Zuhak Hotel

Hotelbesitzer Sultan Alie im Zuhak Hotel in Bamiyan.© Ursula Meissner

Der Inhaber des Hotels ist Sultan Alie, Sohn von Gurban Alie. Er gesellt sich zu uns und fragt uns, woher wir kommen — Deutschland. Die Augen Leuchten. Natürlich kennt er Hitler. Er erzählt, dass er in Kabul zur Schule gegangen ist und starkes Interesse an Deutscher Geschichte habe.

Wie alt er ist, frage ich. 32 Jahre. Er zeigt er uns seinen Pass.

Sultan Alie zeigt seinen Pass

Sultan Alie zeigt uns seinen Pass. Er war bei den Mudschaheddin. © Ursula Meissner

Stolz berichtet er: “Ich war bei den Mudschaheddin.” Ursula Meissner erzählt, wie sie bei einem früheren Besuch in Afghanistan mit den Mudschaheddin über Land gezogen ist. Das Eis ist gebrochen.

Ob er Familie hat, will ich wissen. Mit traurigem Blick erzählt er, den Tränen nahe: “Meine Frau und meine beiden Kinder sind bei einem Raketenangriff in Kabul ums Leben gekommen. Mein Haus wurde schwer getroffen. Ich selbst kam mit dem Leben davon. Hand und Fuß waren gebrochen und ich hatte eine Verletzung am Hals. Meine Frau war clever – ich habe sie sehr lieb gehabt.” Er wirkt sehr traurig.

Sultan erzählt, dass sein Vater auch clever war. Er hat drei Geschäfte aufgebaut: In Herat und in Kabul. Dabei konnte er weder lesen, noch schreiben.

Sultan Alie auf dem Dach seines Hotels

Auf dem Dach des Zuhak Hotels in Bamiyan.© Ursula Meissner

Wir sind auf dem Dach des Hotels. Er zeigt mir auf  der gegenüberliegenden Seite ein Ausbildungszentrum  für Frauen: Sie lernen Lesen und Schreiben, Nähen und andere Dinge. Daneben befindet sich eine kleine Werkstatt für Motorräder: Dort werden Jugendliche ausgebildet – finanziert von einer Japanischen Hilfsorganisation.

Autor Erich Lischek
Erich Lischek ist der Geschäftsführer von ADRA Deutschland und leitet seit 1986 die Geschicke der Hilfsorganisation. Er war bereits mehrfach in Afghanistan, zuletzt im März 2008 zusammen mit Fotojournalistin Ursula Meissner. 

Er findet es schade, dass es keine Produktionsstätten gibt, die Fahrräder oder Motorräder herstellen, damit die Menschen Arbeit bekommen. Auch für Frauen. Er sagt: “Sie müssen nicht nur zu Hause herumsitzen!”

Sultan Alie beteiligt sich aktiv am Aufbau Afghanistans: Er hat einen Kredit von einer amerikanischen NGO (”Non-Governmental Organisation”) bekommen — 20.000 $ und bildet “Kellner” und “Köche” aus.

Bei dieser Gelegenheit weist er auf seinen Shop hin. Er hat nicht nur ein Hotel, das ab und zu Touristen aufnimmt, sondern nebenbei auch einen Laden eingerichtet. Die Touristen führt er dorthin, damit sie Artikel kaufen, die von einheimischen Frauen, aber auch anderen Handwerkern hergestellt werden.



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