Interview mit Erich Lischek zur Afghanistan-Reise
Kategorien: Menschen
Tags: ADRA, Afghanistan, Bamiyan, Hilfsprojekte, Kultur, Reise
Vom 26. März bis 7. April 2008 ist ADRA Geschäftsführer Erich Lischek zusammen mit Fotojournalistin Ursula Meissner nach Afghanistan gereist. Im Interview berichtet er von seinen Erlebnissen und schildert seinen persönlichen Eindruck vom “anderen Afghanistan”.

Herr Lischek, Sie sind nun zum zweiten Mal nach Afghanistan gereist. Was war der Anlass Ihrer Reise?
Dafür gab es mehrere Gründe: Zunächst wollte ich mir erneut einen Überblick über den Stand und die Entwicklung der verschiedenen ADRA-Projekte in Afghanistan verschaffen. ADRA Afghanistan ist ja gewissermaßen ein Kind von ADRA Deutschland. Durch Verbindungen zu “ARDA”, einer einheimischen Organisation, die schon vor und während der Talibanzeit bestand, konnte ADRA Afghanistan 2001 aufgebaut werden.
Bis heute arbeiten ADRA und die in RARA umbenannte einheimische Organisation eng zusammen. Die Hilfsprojekte werden dabei neben privaten Spenden durch das Auswärtige Amt der Bundesregierung Deutschland und von USAID unterstützt.
Ein Ziel der Reise war das ADRA Gesundheitsprojekt in der Provinz Bamiyan sowie die natürlich auch damit verbundenen offiziellen Besuche bei den zuständigen Ministerien. Ein wesentlicher weiterer Grund der Reise in die Provinz, in dem die Buddha-Statuen als Weltkulturerbe von den Taliban zerstört worden sind, war die Einführung des Buches von Frau Meissner über das andere Afghanistan (”Afghanistan — Rosen, Mohn, 30 Jahre Krieg”).
Was waren für Sie die “Highlights” dieser Reise?
Neben der abenteuerlichen 14-stündigen Autofahrt von Bamiyan nach Panjab über fünf Pässe, war ein weiteres Highlight sicher die Begegnung mit dem 33-jährigen Eigentümer des Zuhak Hotels. Natürlich auch die Begegnung mit der Projektleiterin Rebecca de Graaff, die als einzige Ausländerin seit Januar dieses Jahres in Panjab hingebungsvoll ihren Dienst verrichtet. Aber auch das Treffen mit der einzigen Gouverneurin von Afghanistan, die in der Provinz Bamiyan gewählt worden ist.
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Eigentlich waren es so viele Höhepunkte, dass ich keinen missen möchte: Die spielerischen Drachenspiele oder das Gespräch mit Dr. Ihsan Ullah Shahir, dem Gesunheitsminister der Provinz Bamiyan, der uns erklärte, dass wir die Welt verändern könnten, wenn wir uns in Liebe begegnen würden. Oder auch der Besuch in der Botshaft und dem Goethe Institut, wo wir mit unserem Buch und der Arbeit von ADRA auf offene Ohren gestoßen sind.
Sie sind ja gemeinsam mit der Fotojournalistin Ursula Meisser nach Afghanistan gereist, die in ihrem Buch “Afghanistan – Rosen, Mohn, 30 Jahre Krieg” die unbekannte Seite von Afghanistan zeigt. Haben Sie bei Ihrer Reise selbst noch neue Eindrücke bekommen? Was war für Sie noch unbekannt?
Erstaunt hat mich die Provinz Bamiyan, wo Menschen auf der einen Seite den Boden noch mit mittelaterlich anmutenden Holzpflügen bearbeitet haben, aber wo ich andererseits doch relativ viele “Sateliten-Schüsseln” auf den Dächern sehen konnte. In manchen Bereichen scheinen die Menschen plötzlich im 21. Jahrhundert angekommen zu sein.
Enttäuschend für mich war es zu sehen, dass vielerorts nicht mehr die Initiative und Eigenbeteiligung der Menschen gefördert wird. Die Kritik ist auch verständlich: Es wurde so viel Geld nach Afghanistan geschickt und dennoch stellt sich die Frage, wo die Hilfe angekommen ist. Trotzdem gibt es Hotels und Einkaufszentren, die auch in jedem entwickelten Land stehen könnten.
Was sind in Ihren Augen die drei größten Missverständnisse über Afghanistan?
Ein großes Missverständnis ist, dass es angeblich keine Entwicklung in Afghanistan gibt. Ein weiteres, bedingt durch die Nachrichten, die uns täglich erreichen, dass an jeder Ecke eine Selbstmordattentäter stehen könnte.
Sicher, die Entwicklung könnte ein gutes Stück weiter sein, weil wirklich sehr viel Geld ins Land geschickt wurde. Vielleicht ist auch einiges wieder auf Konten außerhalb von Afghanistan gegangen. Trotzdem gibt es, neben der Mittel über die UN-Organisationen, ECHO oder NGO’s auch erstaunlich viele private Investitionen. Was häufig übersehen wird, ist, dass Afghanistan ein Vielvölkerstaat mit unterschiedlichen Sprachgruppen ist – auch das ist eine der großen Herausforderungen des Landes. Auch in Europa haben wir über Jahrhunderte damit zu tun gehabt, uns zu verständigen.
Was können Sie über die Menschen in Afghanistan sagen?
Trotz unterschiedlicher ethnischer Herkunft sind es Menschen, die freundlich und offen sind. Wie überall gibt es auch hier extreme Gruppierungen. Bedingt durch die Berichterstattung hat man den Eindruck, dass sie in der Mehrheit sind. Aber das stimmt nicht. Ähnlich wie ich nach den Demonstrationen der Rechtsextremen gefragt wurde: “Wann werden die Nazis wieder die Macht in Deutschland ergreifen?” Wir müssen die moderaten Kräfte unterstützen, damit den Extremisten der Nährboden entzogen wird. So wie das Dr. Ihsan Ullah Shahir formuliert hat: “In Liebe aufeinander zugehen.”
Das sehen wir auch als Aufgabe für ADRA. Dazu gehört Bildung und die Möglichkeit für Menschen mit ihrem Einkommen auszukommen.
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Wann werden Sie wieder nach Afghanistan reisen?
Meine nächste Reise nach Afghanistan steht noch nicht fest. Jetzt gilt es erstmal, die Projekte von Deutschland aus weiter zu stärken und die Öffentlichkeit über die Arbeit von ADRA in Afghanistan zu informieren. Insofern freut es mich, dass wir mit dem Online Magazin “Das andere Afghanistan” eine Plattform geschaffen haben, mit der sich diese Themen an Interessierte weitergeben lassen. Ich freue mich vor allem auf den Austausch in der gleichnamigen XING-Gruppe, wo ich ja als Co-Moderator ebenfalls regelmäßig die Diskussionen verfolge.
Herr Lischek, wir danken Ihnen für das Gespräch!Â






Jeder ,dem Afghanische Volk hilfen will, ist willkommen .Sie sind auf Entwicklunghilfe angewisen . besonders in der Provinz Bamiyan .Ich bedanke mich als einer afghane,für die bemühung Herr Lischke und Frau Meisner . ……Viele Dank……..
Herr Lischke und Frau Meissner,
ich als afghanin, die Afghanistan noch nie gesehen hat, freue mich sehr über Ihre Berichte über Afghanistan. Ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke lassen in mir Gefühle aufkommen die ich noch nie erlebt habe und ich beneide sie darum das sie dieses erleben durften. Ich lebe seit meiner Geburt in Deutschland. Da ich Afghanistan noch nie gesehen habe aber meine Wurzeln von dort stammen ist es für mich wie ein Buch was ich lese. Allerdings ist es für mich sehr sehr schwer Erzählungen von meinen Eltern mit den Berichten von den Medien zu vergleichen. Leider wächst unsere Generation zwischen zwei Kulturen auf, dieses ist schwer zu vereinbaren. Ich bin Stolz das sie so etwas großes in afghanistan bewegen. Es macht mich glücklich als deutsche staatsangehörige zu wissen das auch das Afghanistan meiner Eltern herrscht. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ich freue mich immer wieder diese Seite zu besuchen.
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