Interview mit Afghanistan-Kenner Boris Barschow

Artikel geschrieben von Thomas Kilian am 1. Dezember 2008
Kategorien: Menschen
Tags: , , , , , , , ,

Bereits vor einigen Wochen haben wir ZDF-Journalist und Reporter Boris Barschow (41) hier im Afghanistan-Magazin vorgestellt. Er ist Mitglied der Jury unseres Fotowettbewerbs und – ebenso wie Fotojournalistin Ursula Meissner – vielgereister Experte und Autor über Afghanistan. Heute gibt uns Boris Barschow einige Antworten auf seine Sicht über “das andere Afghanistan”.

Boris Barschow in Afghanistan: Kabul, ich komme wieder 

Boris Barschow in Afghanistan: Kabul, ich komme wieder© Christoph Schieder

Im Buch “Kabul, ich komme wieder” beschreiben Sie ja Ihre Erfahrungen aus Ihrer Zeit in Afghanistan. Was waren für Sie die prägendsten Erlebnisse?

Die prägendsten Momente waren die vielen Begegnungen mit Afghanen. Eine sympathische Herzlichkeit, die ich hier in Deutschland selten finde. Ich habe zusammen mit einem Afghanen in Kabul eine Firma gegründet, damit mein afghanischer Freund eine bessere Zukunft bekommt. Als wir die Ämter in Kabul aufsuchten, um diese Firma gründen zu können, war das der schönste Tag meines Einsatzes – als wir unsere Behördengänge machten. Niemand beschwerte sich, dass jemand in Uniform in einer Behörde aufschlägt – es war so selbstverständlich für die Afghanen, das hätte ich nie gedacht. Ich habe wirkliche Freunde gefunden in Afghanistan und ich kann es kaum erwarten, sie in Afghanistan wieder zu treffen. Einer von ihnen hatte mich schon in Deutschland besucht. Das war richtig klasse, aber auch traurig, weil ihn die Eindrücke hier erschlagen haben – vor allem, dass man auf der Straße nicht um sein Leben bangen muss.

Welche Tätigkeitsschwerpunkte hatten Sie bei Ihrem Aufenthalt? Wie sah Ihr Alltag aus?

Ich war in zwei Einsätzen insgesamt sieben Monate Chefredakteur der ISAF Zeitung Sada-e-Azadi, die in einer Auflage von mittlerweile 400.000 Stück, die alle zwei Wochen erscheint. Ein Wochenblatt für die Afghanen – die hochwertigste Zeitung, die in Afghanistan erscheint, mit der wir informieren, aber auch Aufmerksamkeit schenken wollen. Für mich ein Schlüssel zum “Erfolg” in Afghanistan. Ich hatte westliche zivile Journalisten und afghanische Kollegen zu führen, dazu noch die Kameraden der Bundeswehr – die waren und sind immer noch verantwortlich für die vielen Billboards und andere Informationskampagnen. Ich habe jede Gelegenheit genutzt, aus dem Feldlager herauszukommen, um Afghanen, Land und Kultur kennenzulernen. Diese zwei Einsätze haben mein Leben komplett verändert… und für diese Erfahrung bin ich sehr sehr dankbar.

Was können Sie uns über Afghanistan erzählen, was den Menschen in Deutschland vielleicht noch unbekannt ist?

Dass die Menschen die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Sie glauben an uns, davon konnte ich mich selber überzeugen, weil ich eben da war in diesem Land und mit den Menschen geredet habe. Viele so genannte Experten, die immer wieder in den einschlägigen Talkshows auftreten, kennen Afghanistan meist nur von den heimischen Konferenztischen. Am Hindukusch herrscht ein Krieg der Bildung, ein Krieg der Worte… trotz allem geben die Menschen nicht auf und stecken all ihre Energie in ihre Kinder, die irgendwann einmal die Geschicke ihres eigenen Landes leiten sollen. Viele Afghanen haben mir aufgetragen, in Deutschland “Danke” zu sagen. Mit unserer Veranstaltung “Melmapalena” am 13.12.08 in Frankfurt möchte ich zusammen mit Khalid A. Dayani zeigen, dass dieser Dank angekommen ist.

Wie können wir das Verständnis für Afghanistan und die Menschen in Afghanistan noch weiter fördern?

Indem wir Aufmerksamkeit hierzulande schaffen, indem wir die motivieren, diejenigen für Afghanistan zu interessieren, die sich bisher noch nicht betroffen fühlten. Dieses Land geht uns alle an, nur haben das noch nicht viele verstanden. Deshalb habe ich auch “Kabul, ich komme wieder” geschrieben und deshalb ist auch das PHOENIX Afghanistan-Blog entstanden.

Was wünschen Sie sich für Afghanistan?

Eine friedliche Zukunft, eine hoffnungsvolle Perspektive – damit das Land nicht mehr das ärmste Land der Welt bleibt.

Wie können wir in Deutschland für Afghanistan aktiv werden?

Schöne Frage. Erstens: Sich interessieren, sich dann eine eigene Meinung bilden und dann seinen Worten Taten folgen lassen. Das Internet ist voll von Ideen, wie man Afghanistan helfen kann. Ich sammle beispielsweise für www.aktion-cash.de. 5.000 Euro hatten wir in zwei Schulen investiert. Das war gar nicht so schwer, wie ich vorher dachte, man muss es einfach nur tun.

Ein Wort zum Schluss?

Vergesst Afghanistan nicht…!



4 Kommentare »

  1. Hallo Herr Barschow,
    habe Ihren Vortrag bei der GfW in Erftstadt gehört, Ihr Buch gelesen und schon mehrfach ausgeliehen. Heute erhielt ich von einem Freund einen eMail Anhang, im Internet zu finden unter “bestcommercial1.asf”. Unsere Soldaten erwarten nach meiner Einschätzung kaum mehr als die dort dargestellte Anerkennung! Vielen Dank für Ihren Einsatz!
    MfG Rainer Urban, Erftstadt

  2. Sehr geehreter Herr Barschow,

    vielen Dank für Ihren Hilfsbereiten Einsatz in Afghanistan.
    Schön, daß Sie dort waren und jetzt uns was von Afghanistan, Situationen, Leute, Kultur und Afghanen gastfreundlichkeit erzählen können.

    Ich wünsche Ihnen weiteren Erfolg in diesem Weg.

    Noch mal vielen Dank

    Enayatullah Aminy aus Hamburg

  3. Hallo Boris,
    schöne Seite hast du da.
    Habe leider deine Emailadresse nicht mehr.
    Meld dich doch mal.
    Lg Christian

  4. Lieber Afghanistan-Kenner!
    Danke, dass Sie in diesem gefärlichem Land Ihr Leben riskiert haben und so vielen Menschen, Kinder Hoffnung, Mut gemacht haben.
    Ihre alle größte Verdienst ist es , ein fast verstorbene Kultur von tausenden Jahren hier in Deutschland die Menschen verständlich gemacht haben.
    Es ist ein großartige, ritterliche, heldhaftiege Leistung.
    Tausend Dank!!!
    Die Amazonen

Leserbrief schreiben: