Ich werde Afghanistan immer zu Dank verpflichtet sein!
Kategorien: Menschen
Tags: ADRA, Afghanistan, Hilfe, Interview, Landschaft, Menschen
Vinod Nelson ist der Geschäftsführer von ADRA Afghanistan. Er kommt ursprünglich aus Indien und lebt seit 2004 mit seiner Frau in Kabul, die für das MRRD (“Ministerium für Wiederaufbau und Entwicklung”) arbeitet. Zuvor hat sich Vinod Nelson für ADRA im Kosovo engagiert. Im Kurzinterview erzählt er, was aus seiner Sicht “das andere Afghanistan” ausmacht.

Herr Nelson, was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit in Afghanistan?
Afghanistan hat für drei Dekaden in Ignoranz und Isolation vor dem Rest der Welt gelebt. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt darin, die Bevölkerung in Afghanistan zu unterstützen und ihr zu einer positiven Veränderung zu verhelfen. Durch meine Anwesenheit und meine Arbeit in diesem Land will ich die Werte und Ziele der Organisation widerspiegeln, der ich diene und an die ich glaube.
ADRA Afghanistan arbeitet in den folgenden Bereichen und bringt Nothilfe und Entwicklungsprojekte für diejenigen, die am schwersten zu leiden haben:
- Gesundheit (Basis Ausstattung an Gesundheitsvorsorge und Reproduktionsmedizin)
- Wasser und Kanalisation (Brunnen mit Handpumpen)
- Bildung (Kurse zum Lesen & Schreiben)
- Berufsausbildung
- Winterhilfe (Nothilfe)
Viele Menschen hier in Deutschland kennen Afghanistan nur aus den Nachrichten und hören viel über Krieg und Terror. Was können Sie uns über “das andere Afghanistan” erzählen?
Afghanistan ist eins der bedauerlichsten Länder in der Welt. Seine geographische Lage hat Afghanistan immer auf einer “Kriegskarte” eingezeichnet. Dazu kommt die unglückliche Lage der Menschen, die in den harten Bedingungen der Natur überleben müsen. Die Topographie von Afghanistan reicht von halb-trockenen Wüstengebieten bis hin zu Bergen, die den Himmel berühren. Die gewaltigen Berge des zentralen Hochlandes stehen unbezwungen und unberührt, während die trockenen und staubigen flachen Landstriche jeden unruhig machen.
Aber es gibt noch eine andere Seite in Afghanistan, die nur wenige erlebt und lieben gelernt haben: Die Täler, die vom Wasser der Berghänge gespeist werden, ermöglichen es der Natur, in Myriaden von üppigen grünen Schattierungen zu erblühen. Dazu gibt es viele Früchte und Nüsse, unerreicht in Geschmack und Qualität. Nicht zu vergessen ist, dass Afghanistan in den 60er Jahren führender Exporteuer von Trockenfrüchten in der ganzen Welt war.
Aber der faszinierendste Aspekt des Landes sind seine Menschen. Bedauerlicherweise bekommt der Rest der Welt ein sehr düsteres Bild von Afghanistan zu sehen und eine ganze Nation wird in einen “dreckigen alten Topf” geworfen. Die Medien zeichnen und ununterbrochen ein Bild, das nicht die ganze Geschichte erzählt.

Die Afghanen im Allgemeinen sind friedliebend und zeigen Charakteristika wie jede andere ethnische Gruppe oder Rasse. Und wie alle anderen sind sie entschlossen, ihre Werte, Religion und Nation zu verteidigen. Aber das einzigartige und besondere an der Afghanischen Gesellschaft ist ihre unvergleichliche Gastfreundschaft und ihr Sinn für gemeinschaftlichen Lebensstil.
Bitte erzählen Sie uns noch ein wenig mehr über die Menschen, die in Afghanistan leben!
Die Afghanen sind vornehme, gastfreundliche und herzliche Menschen… sogar die ärmsten der Armen würden Dir zunächst etwas anbieten, bevor sie selbst über ihre Probleme und Bedürfnisse sprechen.
Was ist Ihre außergewöhnlichste Erfahrung in Afghanistan?
Meine außergewöhnlichste Erfahrung, während ich in Afghanistan lebe und arbeite, die ich immer wieder und wieder erlebe, unter meinen Afghanischen Kollegen und mit den Menschen, für die ADRA sich engagiert, ist das Gefühl, willkommen zu sein, geschätzt und respektiert. Ich werde dieser Nation immer zu Dank verpflichtet sein.
Wie können wir in Deutschland den Menschen in Afghanistan am meisten helfen?
Zunächst, indem wir den Afghanischen Kontext (die Lebensbedingungen, die Werte, die Geschichte) verstehen, und dann, indem wir die Grundbedürfnisse des menschenlichen Lebens und der Entwicklung stillen. Dieses Land benötigt alles, angefangen von öffentlicher Infrastruktur (Straßen, Transportwesen, Wasserversorgung, Kommunikation, Kanalisation, Elektrizität etc.) bis hin zu qualitativer Ausbildung, Aufbau der heimischen Wirtschaft, Einkommen für die Menschen, Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung usw. Dafür sind natürlich Gelder nötig, aber auch Menschen, die wie ADRA gemeinsam mit einheimischen Kräften für den Wiederaufbau sorgen.
Noch ein Wort zum Schluss?
Es gibt viel, was die Internationale Gemeinschaft tun kann, um Frieden und Sicherheit ins Land zu bringen. Und es gibt viel, was die Regierung in Afghanistan tun muss, um Sicherheit und Wohlstand zu ermöglichen. Die Geschichte hat gezeigt, dass jedes sozio-politische Umfeld, das Radikalismus fördert, schlechte Gesetze erzwingt und Vetternwirtschaft ermöglicht, der Stabilität und der Entwicklung einer Gesellschaft im Wege steht.
Herr Nelson, ich danke Ihnen herzlich für dieses Interview. Alles Gute für Ihre Arbeit für ADRA Afghanistan!





