Die Augen von Afghanistan

Artikel geschrieben von Thomas Kilian am 9. Januar 2009
Kategorien: Kultur
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Ähnlich wie Malerei hat sich auch Fotografie längst als Kunstform etabliert, mit denen der Gesellschaft, aber auch jedem einzelnen von uns, ein Spiegel vor die Augen gehalten wird. Der amerikanische Fotograf Steve McCurry gehört zu diesen Künstlern, deren Arbeiten uns fesseln und zum Nachdenken anregen. Sein wohl bekanntestes Werk ist die Fotografie eines jungen Mädchens aus Afghanistan, dessen Augen den geneigten Betrachter in den Bann zieht.

Ein Portrait auch von Afghanistan

Das Portrait des Künstlers zeigt ein Mädchen in Afghanistan – obwohl es in Lumpen eingehüllt ist, wirkt der purpurfarbene Stoff, ja die gesamte Erscheinung erhaben. Stolz und Erhabenheit sind jedoch auch hier nur die eine Seite der Medaille; die leuchtend grünen Augen des Mädchens, die den Betrachter förmlich zu durchbohren scheinen, zeugen auch von einer tiefen Trauer und einer Last, die das Kind kauf seinen schmalen Schultern zu tragen hat.

Sharbat Gula, so fand McCurry später den Namen des Mädchens aus Afghanistan heraus, befand sich damals, 1984 in einem Flüchtlingslager in Pakistan. Der Künstler legt großen Wert darauf, dass auch an diesem Foto nichts gestellt oder inszeniert ist – es ist die Realität dieses Kindes, sich in Ansehung der Not und des damit verbundenen Elends dennoch seine Würde, oder vielleicht einfach nur Haltung zu bewahren.

Ein Bild von einem Mädchen aus Afghanistan, das mehr als tausend Worte spricht

Gleichzeitig spricht dieses Bild mehr als tausend Worte; die stechend leuchtenden Augen des Mädchens aus Afghanistan scheinen uns zu durchbohren, lassen uns aber eigentlich einen Blick in unser Innerstes werden.

Wir, die im Überfluss leben, können uns so vieles kaufen – wie sieht es aber in uns aus? Können wir noch in den Spiegel oder in die Augen des Mädchens auf dem Foto von Steve McCurry schauen, wenn wir nur für uns selbst sorgen und die Probleme anderer dabei aus den Augen verlieren?

Das Foto von McCurry repräsentiert die zwei Seiten, die sich in den Menschen aus Afghanistan immer wieder zeigen. Zum einen ist es der Stolz, den die Menschen am Hindukusch zu Recht in sich tragen, zum anderen die Angst angesichts einer doch nach wie vor ungewissen Zukunft. Weitere Werke, die von McCurry im Laufe der Jahre entstanden sind, präsentiert der US-amerikanische Fotojournalist auf seiner Homepage.



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