Das afghanische Märchen von den Guten und den Bösen
Kategorien: Kultur
Tags: Geschichte, Krieg, Kultur, Märchen, Menschen, Taliban, Terror, Wiederaufbau
“Es war einmal…” – Der typische Beginn eines Märchens, das den Leser oder Zuhörer in eine wunderbare, eben märchenhafte Welt entführt, in der das Gute über das Böse siegt und an dessen Schluss alle Beteiligten “glücklich und zufrieden sind, bis an ihr Lebensende”. Die Gebrüder Grimm und der Däne Hans Christian Andersen sind die wohl bekanntesten Märchenerzähler, deren Geschichten Groß und Klein, Alt und Jung auch heute noch faszinieren. Märchen gibt es allerdings nicht nur in Europa, sondern auch in Afghanistan:
Von denen, die auszogen, die Welt zu retten
Es war einmal eine Welt, in der war leider nicht alles perfekt. Die Menschen führten Kriege, ohne dass sie wussten, weshalb. Es war nicht so einfach, zwischen den “Guten” und den “Bösen” zu unterscheiden und zu sagen, was richtig und was falsch war. Inmitten dieser Welt lag das kleine Land Afghanistan. Seine Bewohner waren nicht sehr reich, aber sie versuchten trotzdem ein erkleckliches Leben zu führen. Sie hatten ihr Land aber nicht für sich, sondern mussten es mit anderen Menschen teilen.
Diese kamen aus fernen Ländern, jenseits des Ozeans. Sie sagten, sie seien die “Guten” und müssten das Land und die Welt vor einem Teil seiner Bewohner, den “Bösen”, beschützen. Überall im Land gab es Krieg, unter dem die Bewohner von Afghanistan litten und viele von ihnen starben. Sie hatten Angst um ihr eigenes Leben, das ihrer Familien, Verwandten und Freunde. Doch obwohl die “Guten” der Meinung waren, dass sie diesen Krieg gewonnen hätten, blieben sie weiter im Land.
In Afghanistan kehrte also trotz allem keine Ruhe ein, denn den übrig gebliebenen “Bösen” gefiel das gar nicht. Sie griffen die “Guten” weiterhin an, weil sie diese nicht in ihrem Land duldeten. Dabei wollten die Bewohner des Landes eigentlich gar nichts mit diesen Streitereien zu tun haben. Sie wollten lediglich ihr eigenes bescheidenes Leben führen und sich vor nichts fürchten müssen. Doch so wie es aussieht, wird es noch lange dauern, bis zu dem Tag, an dem die Menschen in Afghanistan glücklich und zufrieden und ohne Angst bis an ihr Lebensende sein können.
Das Ende der Geschichte ist in Afghanistan noch nicht abzusehen
Gesammelt hat diese Märchen der afghanische Dolmetscher Dr. Mir Hafizuddin Sadri – und damit einen wichtigen Beitrag für die Kultur seines Landes geleistet. Denn damit zwischen all dem Krieg und Leid das Schöne und Fabelhafte nicht verloren geht, werden Märchen seit Generationen zusammengetragen und weiter gegeben. Ohne den sorgfältigen Umgang mit Sagen und Volksmärchen wären auch die Märchensammler Grimm nicht so berühmt geworden.
Es ist die Lehre, die die Märchen so besonders macht und die uns im Gedächtnis haften bleibt. Sie mahnt uns an, nicht aus niederen Beweggründen wie Neid, Hass und Gier zu handeln. Und es ist hoffentlich auch die Lehre, die die Verantwortlichen für Afghanistans Leiden und das seiner Bewohner verfolgt. Denn auch wenn die Geschichte des Landes eines Tages gut ausgeht, vergessen werden wird sie dennoch nicht.





