Cyber Café Kabul – Aufbruch in die Moderne

Artikel geschrieben von Ursula Meissner am 9. Juli 2008
Kategorien: Kuriositäten
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Das Internetcafé in Kabul, das ich gelegentlich besuche, scheint besonderen Wert auf die Privatsphäre seiner Kunden zu legen. Die Computer sind so geschickt aufgestellt, dass man nahezu unbeobachtet surfen kann. Und das aus gutem Grund: Die meist männlichen Kunden nutzen das Internetcafé in erster Linie, um auf Partnersuche zu gehen oder auf erotischen Seiten zu surfen.

Doch etwa ein Viertel der Internetnutzer in Kabul sind inzwischen Frauen, die meisten von ihnen Studentinnen. Sie recherchieren für Seminare und pflegen Kontakte zu Verwandten und Freunden im Ausland. In den Cafés sitzen Frauen und Männer ganz selbstverständlich nebeneinander an den Computern. Die Frauen tragen meist einfache Kopftücher. Die traditionellen Schranken zwischen Mann und Frau in Afghanistan vermochte aber auch das World Wide Web nicht ganz zu überwinden, was an den Poststellen Kabuls deutlich wird. Weil viele Kunden noch nicht wissen, wie man einen Computer bedient, hält die Post zwei Berater für den Kundendienst bereit, eine Frau für die Frauen und einen Mann für die Männer.

Seminar für Textverarbeitung an der Uni Kabul: 25 Studentinnen teilen sich fünf Computer. 

Seminar für Textverarbeitung an der Uni Kabul: 25 Studentinnen teilen sich fünf Computer.© Ursula Meissner

Dass das World Wide Web so schnell nach Afghanistan kam, ist einem in New York lebenden afghanischen Geschäftsmann zu verdanken. Gleich nach der Vertreibung der Taliban aus Kabul, gründete er die Afghan Wireless Communication Company und bot dem Ministerium für Kommunikation eine 20-prozentige Beteiligung an. Der Vertrag über 15 Jahre wurde erstaunlich schnell unterzeichnet und bereits im Juli 2002 eröffnete Bennet Bayer im Intercontinental Hotel in Kabul das erste Internetcafé.

Inzwischen gibt es in Kabul und anderen größeren Städten zahlreiche Internetcafés unterschiedlicher Betreiber. Die günstigeren nehmen umgerechnet einen US-Dollar für eine Stunde. Bei einem durchschnittlichen Tageseinkommen von unter zwei US-Dollar ist Surfen für Afghanen also Luxus. Dennoch ist der Andrang groß und die Kunden warten gern auf Holzbänken vor den Cafés.

Dieser Artikel entstammt dem Buch “Afghanistan – Rosen, Mohn, 30 Jahre Krieg” von Fotojournalistin Ursula Meissner. Sie können dieses Buch bei ADRA bequem online bestellen und unterstützen damit die Herstellung und Verteilung einer Decke in Afghanistan.



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