Buzkashi ist Afghanistans stolzester Volkssport
Kategorien: Kultur
Tags: Afghanistan, Buzkashi, Geld, Gewinn, Männer, Pferd, Reiter, Sieg, Sport, Wettkampf
“Wenn wir nach Samangan kommen, habe ich eine Überraschung für Sie! Wir werden an einem Buzkashi teilnehmen”, meinte Herr Zahir, der die Winterhilfsprojekte bei ADRA in Afghanistan organisierte. Buzkashi kannte ich nicht und so erklärte er mir kurz, dass es sich um ein Reiterspiel handelte, bei dem eine Ziege in einen Kreis gelegt werde. Wenn wir dort wären, würde ich das Spiel besser verstehen.
Nach einem Zwischenstopp in Aybak fuhren wir am nächsten Tag durch eine malerische und wildromantische Gegend Richtung Mazar-e-Sharif. Die Landstraße zog sich durch große Ebenen und auf beiden Seiten der Straße schienen im Hintergrund majestätische Bergzüge aus den Ebenen zu wachsen. Nach einiger Zeit bogen wir von der Landstraße ab, bewältigten noch ein kurzes Stück Fahrt und schon waren wir da. Um uns herum war nur flaches Land, ein leichter Wind wehte und auch die Temperaturen waren angenehm mild.
Eine Bühne gab es nicht, die Fahrzeuge der anderen, ausschließlich afghanischen Besucher, hatten sich in einer Reihe Richtung Spielfeld aufgestellt. So an die hundert bis zweihundert Besucher waren zum Buzkashi gekommen. Aber auch das Spielfeld konnte man nur erahnen. Grenzen und Markierung gab es keine, abgesehen von mehreren Kreisen, die man im Spielfeld sah.
Plötzlich geht es los: Ein Kalb ohne Kopf liegt auf dem Boden. Geschätzte dreißig Männer auf stolzen Pferden reiten gleichzeitig Richtung Kalb. Ein Knäuel aus Reitern bildet sich um das Kalb, plötzlich löst sich ein Reiter aus der Menge, der das Kalb mit einer Hand hält, mit der anderen die Zügel und mehr auf dem Pferd hängt als sitzt, so als würde er jeden Moment vom Pferd fallen. Er versucht in Richtung der Bodenmarkierung zu reiten. Immer wieder wird das Kalb einem Reiter entrissen, bis nach einiger Zeit einer der Reiter das Kalb in eine der Bodenmarkierungen legen kann. Er hat gewonnen.
Buzkashi ist ein altes, traditionelles Reiterspiel, das nicht nur in Afghanistan sondern auch in anderen persischsprachigen Gegenden “gespielt” wird. Sein Name leitet sich von بزکشی (buzkashī: buz “Ziege” + kashi “herausnehmen”) ab und bedeutet so viel, wie “eine Ziege ergreifen”. Manche Quellen behaupten, dass das Spiel von den Mongolen nach Afghanistan gebracht wurde. Ursprünglich wurde für das Spiel eine Ziege verwendet, heutzutage werden aber auch Kälber eingesetzt. Das Gewicht liegt um die 60 Kilogramm, früher sollen die verwendeten Tiere teilweise doppelt so viel gewogen haben.

Die Besitzer der Buszkashi-Pferde sind meist wohlhabende Afghanen, die zum Teil auch Trainer für ihre Pferde anstellen. Der Gewinn besteht meist aus Geld, manchmal werden auch Gewehre verschenkt.
Das Spiel kann bis zu einer Woche dauern, die Teilnehmerzahl reicht von 20 Teilnehmern bis zu 1.000 Teilnehmern. Gespielt wird jeder gegen jeden. Das Spiel kann als Rugby auf Pferden verstanden werden, es geht sehr rau zu und Verletzung sind an der Tagesordnung. Auch Todesfälle hat es beim Buzkashi schon gegeben. Aber Buzkashi-Reiter sind hart im Nehmen: Sind der Arm oder eine Rippe gebrochen, wird schnell ein Verband angelegt, dann geht es weiter. Sogar nach einem Schädelbruch soll ein Reiter nach notdürftiger Versorgung noch weitergeritten sein.
Am letzten Tag findet ein Wettrennen statt, dass “paiga”. Hier dürfen nur erfahrene Buzkashi-Reiter teilnehmen, keine jungen Reiter. Die Pferde bekommen keinen Sattel, nur eine dünne Decke oder ein Stück Stoff dienen als Sitzunterlage. Mit allen Tricks wird versucht, dieses Rennen zu gewinnen. In Afghanistan ist man der festen Überzeugung, dass kein Volk so stolz auf seinen Volkssport ist, wie die Afghanen auf Buzkashi. Vielleicht haben sie recht.
Meine Eindrücke vom afghanischen Volkssport Buzkashi können Sie sich in der nun folgenden Fotogalerie ansehen (© Fritz Neuberg):






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