Afghanistan im Mittelpunkt der Wiener FrauenFilmTage
Kategorien: Kultur
Tags: Afghanistan, Ausstellung, Film, Frauen, Kultur, Menschen
Am 26. Februar war es wieder soweit: Die sechsten FrauenFilmTage in der österreichischen Hauptstadt Wien wurden eröffnet. Länderschwerpunkt im Jahr 2009 war Afghanistan. Barbara Prammer, Präsidentin des Nationalrats, knüpfte an diese Entscheidung die Hoffnung, die besondere Situation von Frauen in den Konflikt- und Krisenregionen zu thematisieren, sowie diese gleichzeitig mit der Perspektive eines selbstbestimmten und diskriminierungsfreien Lebens zu verknüpfen.
Die Rolle der afghanischen Frau in der GesellschaftÂ
Insgesamt wurden 19 Spielfilme und Dokumentationen aus aller Welt im Verlauf des Festivals gezeigt. Darunter auch Werke anerkannter afghanischer Regisseure wie Siddiq Barmak, Bahareh Hosseini und Eva Mulvad.
Siddiq Barmak thematisiert in dem unter anderem mit einem Golden Globe ausgezeichneten Film “Obama” das Leben eines Mädchens, das als Junge verkleidet wird, um so den Lebensunterhalt seiner Familie zu verdienen. Als die Verkleidung auffliegt, wird sie vom Gericht mit einem alten Mullah verheiratet.
Zahlreiche prämierte Filme aus aller Welt laden zu Diskussionen und Gesprächen ein
“Afghan Girls Can Kick”, ein Dokumentarfilm von Bahareh Hosseini, widmet sich einem ungewöhnlichen Hobby afghanischer Mädchen: Fußball. Die Mädchen, die während der Zeit der Taliban aufwuchsen, sehen im Fußballspielen eine Möglichkeit, ihr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Auch nach dem Fall der Taliban leben sie in unsicheren Verhältnissen und müssen gesellschaftliche Repressionen fürchten. Obwohl der Film erst 2007 gedreht wurde, hat sich das Bild vom Frauenfußball in Afghanistan zum Positiven entwickelt. Mittlerweile besteht sogar eine Nationalmannschaft, deren Erfolg es jungen Mädchen einfacher macht, ihr Hobby gegenüber der Gesellschaft zu rechtfertigen.Â
Einer der bekanntesten Filme, der im Zuge der FrauenFilmTage gezeigt wird, ist sicherlich “Enemies Of Happiness”. Die von Regisseurin Eva Mulvad gedrehte und vielfach ausgezeichnete Dokumentation widmet sich dem Wahlkampf von Malalai Joya, der jüngsten Parlamentarierin Afghanistans. Sie forderte 2003 vor der großen Ratsversammlung, der Loya Jirga, die Strafverfolgung der im Parlament befindlichen Warlords und Drogenschmuggler. Trotz zahlreicher Morddrohungen und vier überlebter Anschlägen auf ihre Person, setzt Malalai Joya ihren Weg im Parlament mutig fort – leider keine Selbstverständlichkeit für eine afghanische Frau.
Das Rahmenprogramm der FrauenFilmTage bot zudem die Möglichkeit, sich mit der Vorsitzenden des Deutsch-Afghanischen Frauenforums, Nabila Karimi-Alekozai, und Shimin Moshref, Vorsitzender der Afghanistan Women and Children Rights Association, über die Rolle von Malalai Joya auszutauschen. Regisseurin Bahareh Hosseini war sogar persönlich für ein Publikumsgespräch anwesend. Eine Woche lang stand die afghanische Frau im Mittelpunkt des Festivals, das damit vielleicht dazu beitragen konnte, den Blick für ihre Rolle in der Gesellschaft zu schärfen.





