Afghanen unter sich – Freizeit in Afghanistan

Artikel geschrieben von am 12. September 2008
Kategorien: Kultur
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Die Fahrt zum Freizeitpark von Kabul am Freitag, der unserem Sonntag entspricht - dem wöchentlichen Feiertag der Moslems - habe ich mir anders vorgestellt. Zunächst geht es durch enge Gassen. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Dazu aufgewirbelter Staub, der nach Diesel schmeckt. Immer wieder bleibt irgendein Auto stehen, manche mit platten Reifen auf dem weichen Sand.

In diesem Stau kommen selbst die Fahrräder und die Motorräder nicht weiter. Das ist das Signal für Scharen von Bettlerinnen und Bettlern sich auf die Ausflügler zu stürzen, denn nur wer mehr Geld als der Durchschnitt hat, kann sich diese Reise in die Hügel überhaupt leisten.

Ihre Freizeit verbringen die Menschen in Afghanistan gerne zusammen. 

Ihre Freizeit verbringen die Menschen in Afghanistan gerne zusammen.© Ursula Meissner

Ziel ist ein Paradies an einem kleinen blauen See, der von grünen Bäumen eingerahmt ist. Es gibt Schaukeln für die Kinder und sogar ein Karussell, daneben kleine Restaurants, in denen selbstverständlich kein Bier, sondern grellbunte Limonade und Mineralwasser ausgeschenkt werden. Am See sind Pavillons mit farbiger Bespannung aufgestellt. Viele der Gäste breiten jedoch unter den Bäumen Decken aus, verspeisen dort das mitgebrachte Essen und tanzen zu indischer oder arabischer Musik.

Weil es auch in der Hauptstadt Kabul nur unregelmäßig Strom gibt, sind sie daran gewöhnt, Radios und Kassettenrekorder an ihre Autobatterien anzuschließen. Die Batterien bauen sie mit großer Selbstverständlichkeit aus, als ob das in der Gebrauchsanweisung für die Musikapparate stünde. Die Männer tummeln sich im angenehm warmen, türkisfarbenen Wasser.

Ein Sprung ins kühle Nass ist meistens nur den Männern vorbehalten 

Ein Sprung ins kühle Nass ist meistens nur den Männern vorbehalten.© Ursula Meissner

Obwohl es angeblich für die Frauen einen ganz besonderen, hochgeschlossenen Badeanzug geben soll, der die Schenkel und die Knie bedeckt, geht keine Frau ins Wasser. Die meisten bereiten der Familie das Picknick zu. Sie bewegen sich hier ohne Burka. Wer mutig ist – denn die meisten Afghanen können nicht schwimmen – und es sich darüber hinaus leisten kann, leiht sich eines der farbigen Tretboote aus, die Schwänen nachgebildet sind – die einzigen Schwäne auf dem See.

Unter den Taliban war dieser Vergnügungspark geschlossen. “Nicht einmal Musik war damals in der Öffentlichkeit erlaubt”, erzählt mir Mohammed Sharif, ein Geschäftsmann aus Kabul. Aber auch ohne Taliban halten Ausländer augenscheinlich den Ausflug zu dem idyllischen See für zu gefährlich. Die Afghanen sind hier ganz unter sich.

Dieser Artikel entstammt dem Buch “Afghanistan – Rosen, Mohn, 30 Jahre Krieg” von Fotojournalistin Ursula Meissner. Sie können dieses Buch bei ADRA bequem online bestellen und unterstützen damit die Herstellung und Verteilung einer Decke in Afghanistan.



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